Traditionsmarken und ihre Namen: Was bedeuten sie eigentlich?

Wir sind überall umgeben von ihnen – mehr oder weniger wohlklingende Namen, die wir immer wiedererkennen, und die uns schon eine Ewigkeit begleiten. Das geht teils sogar so weit, dass ganze Produktgruppen umgangssprachlich nur noch mit einem Markennamen betitelt werden. Doch was bedeuten die Namen eigentlich und wo kommen sie her?

Wer weiß schon, wie viele Babypopos in den letzten 104 Jahren mit Penaten babyweich gepflegt wurden? Was man aber weiß: 1904 entwickelte der Rhöndorfer Drogist Max Riese eine Hautcreme speziell für den Schutz wunder Babypopos. Seine Frau, Fan römischer Geschichte, gab der Creme den Namen Penaten, in Anlehnung an die gleichnamigen häuslichen Schutzgötter des Altertums. 1986 übernimmt der weltweit agierende Konzern Johnson & Johnson die Marke und baut sie kontinuierlich aus. Das Logo mit dem Schäfer ist bis heute allerdings nahezu unverändert geblieben. Die gelbe Sonne auf blauem Grund symbolisiert neues Leben, der Schäfer den Hauptbestandteil der Creme – reines Schafswollfett (Lanolin).

Ebenfalls eine traditionelle deutsche Marke ist Odol. Bereits 1893 entwickelte der Dresdner Karl-August Ligner zusammen mit seinem Freund Professor Seifert ein antiseptisch wirkendes Mundwasser und gründet die Marke Odol. Inzwischen ist der Name zum Synonym für Mundwasser geworden. Er leitet sich aus dem griechischen Wort "Odontus" (Zahn) und dem lateinischen Wort "Oleum" (Öl) ab, was so viel bedeutet wie "Zahnöl". 1974 wurden die Lingner-Werke und Odol Teil der anglo-amerikanischen SmithKline Beecham (heute GlaxoSmithKline).

Dass uns der Name des Lippenpflegestiftes Labello so fließend über die Lippen kommt ist kein Wunder, denn er ist phonetisch clever aufgebaut. 1909 kam Labello als erster Lippenpflegestift in einer Schiebehülse auf den Markt, wurde sofort zum Verkaufsschlager und war die Grundlage für alle zukünftigen Lippenstifte. Dabei hatte die Firma Beiersdorf schon vor 1909 ihre Kompetenz in Sachen "vorbeugende Pflege für die empfindlichen Lippen" bewiesen. Bereits 1902 wurde ein Pflegeprodukt, die damalige Lippenpomade, im Markt eingeführt. Der innovative Pflegestift Labello erhielt aber einen ganz speziellen Namen aus den lateinischen Wörtern Labes für Lippe und bello für schön: "Die schöne Lippe". Lässt sich gut schreiben, gut lesen und noch besser sprechen!

Aber auch in anderen Bereichen war der deutsche Konzern Beiersdorf sehr erfindungsreich. 1951 zum Beispiel mit dem ersten marktfähigen Deodorant, das speziell das Wachstum der schweißzersetzenden Bakterien hemmt: 8×4. Zuerst wurde eine "desodorierende Toiletten- und Badeseite" lanciert, ein Jahr später dann das 8×4 Puder, einige Jahre später folgten Aerosolspray, Roller, Stift und Schaumbad. Juan Gregorio Clausen, langjähriger Werbeleiter bei Beiersdorf, kreierte den eingängigen Namen 8×4. Die Bezeichnung lässt sich auf den Wirkstoff B 32 zurückführen. Beiersdorf machte aus "Hexachlor-Dihidroxi-Diphenylmethan" eine mathematische Gleichung indem jene 32 Buchstaben durch "8×4" angegeben werden. 8×4 symbolisierte auch eine lange Wirkung. 24 Stunden und länger wirken die desodorierenden Stoffe von 8×4, eine der führenden und der ältesten Deomarken der Welt. Heute übrigens absoluter Marktführer in Japan!

Eine Marke, die unsere Groß- und Urgroßmütter auch schon kannten ist Nivea. Als Dr. Oskar Troplowitz 1911 damit experimentierte, Wasser und Öl zu einer Hautpflegecreme zu verbinden, scheiterten seine ersten Versuche kläglich. Doch schon bald schaffte er beides zu emulgieren, woraus eine schneeweiße Creme entstand. Und daraus wiederum entstand der Name: Nivis ist die lateinische Bezeichnung für Schnee, wurde etwas abgeleitet und so zu Nivea. Heute gehört Nivea zu den 100 wertvollsten Marken weltweit.

Eine ebenfalls in Deutschland alteingesessene und bekannte Marke ist Kaloderma. Seit 150 Jahren ist die Marke mit Pflegeprodukten "zum guten Preis" auf dem Markt. Ihr Name leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet "schöne Haut".

1954 wurde die Körperpflegemarke Fa von der Dreiling KG in Krefeld entwickelt und mit ihr die erste "Feinseife neuen Stils" auf den Markt gebracht. Das Neue daran: Die Seife reinigte nicht nur, sondern pflegte auch gleichzeitig die Haut. So etwas Fabelhaftes brauchte auch einen fabelhaften Namen: Fa, die Abkürzung von fabelhaft. In den 1960er Jahren bekommt Fa ein neues Image: Die irisierende limonengrüne und gelbe Seife erhält "die wilde Frische von Limonen". Damals das teuerste und oft bewunderte Werbekonzept seiner Zeit. Heute gehört Fa zum Henkel Konzern, ist in über 120 Ländern erhältlich und bietet neben Seifen noch viele weitere Körperpflegeprodukte, Deos und Duschbäder an.

Sagt man Kleenex, meint man ein Kosmetiktuch aus Papier. Die Geschichte des Kleenex-Papiertuchs beginnt 1914 beim Hersteller Kimberly-Clark in den USA. In den Jahren des Ersten Weltkrieges wird Baumwollverbandsmaterial knapp und durch Zellstoffwatte ersetzt. Das Material zeichnete sich durch deutlich höhere Feuchtigkeitsaufnahme aus. 1924 suchte man nach einem neuen Einsatzgebiet für die praktische Zellstoffwatte. Gefunden wurde das Einweg-Papiertuch zum Abnehmen von Kosmetik, das aber gerne auch als Einweg-Taschentuch zweckentfremdet wurde. Der Name Kleenex entstand aus einer Kombination der lateinischen Endung "ex" für "raus" bzw. "heraus" und dem englischen Wort "clean".

Was in den USA schon lange Einzug in die Küchen hielt, kam 1972 als Zewa in Deutschland auf den Markt: Papierküchenrollen, die den Küchenlappen den Kampf ansagen sollten. Mehr Hygiene, mehr Komfort – einfach wisch und weg. „Nieder mit den Küchenlappen“ hieß dann auch die Losung der Mannheimer Zellstoffwerke Waldhof-Aschaffenburg. Der Firmenname "Zellstoffwerke Waldhof" wurde kurzerhand abgekürzt, woraus der Markenname Zewa entstand. Heute kennen die Marke rund 90 % der Bevölkerung und mit den Blättern der jährlich verkauften Zewa-Küchenrollen könnte man den Äquator 21 mal umwickeln.

Foto-Credits: Penaten, Odol GlaxoSmithKline, Beiersdorf, Berlin Cosmetics, TV Nostalgie, Kimberly-Clark, Zewa

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