IFRA verbietet Duftstoffe: Das Aus für den Liebingsduft?

Man mag es sich gar nicht vorstellen: Die großen Parfümklassiker, wie z.B. Chanel No. 5, duften auf einmal ganz anders. Neue Parfüms bestehen fast ausschließlich aus synthetischen Duftstoffen und der Luxus eines rein natürlichen Parfüms ist unbezahlbar, da es das nicht mehr gibt. Ein Schreckgespenst? Nicht wirklich, wenn die International Fragrance Association ab 2010 diverse Duftstoffe verbietet! Doch um was geht es hier eigentlich? Wir haben recherchiert und sind auf eine Lawine gestoßen, die ab Anfang des Jahres 2010 losgetreten werden könnte…

Das Schlüsselwort dieses Szenarios heißt “Reformulierung”, das schon jetzt von einigen Dufthäusern angewendet wird. Gemeint ist damit die Neu- bzw. Umformulierung altbekannter und liebgewonnener Düfte.  Ein Grund für die Neuformulierung sind bisher z.B. hohe Rohstoffkosten von natürlichen Ingredienzen oder auch der Natur- und Artenschutz, der bestimmte Inhaltstoffe nicht mehr verfügbar macht. Noch hält sich die Zahl der neu formulierten Parfüms in Grenzen, das kann sich aber ab 2010 grundlegend ändern. Denn dann wird der Zusatzartikel 43 der International Fragrance Association (IFRA) in Kraft treten, der ein Todesstoß für viele Düfte sein wird. Denn: alle auf dem Markt befindlichen Düfte müssen diesen Richtlinien folgen, oder sie verstossen gegen geltendes EU-Recht – sind also nicht verkehrsfähig und dürfen somit nicht verkauft werden. Aber nicht nur Düfte sind betroffen, sondern alle kosmetischen Produkte, in denen sich die entsprechende Duftstoffe befinden, also auch Cremes, Shampoos, Bodylotions etc.

Hintergrund dieses Verbotes ist die Tatsache, dass es Menschen gibt, die auf manche natürliche Inhaltsstoffe allergisch reagieren. Zu den verbotenen Substanzen gehören bestimmte Konzentrationen von z.B. Ylang Ylang, Eichenmoos, Heliotrop, Jasmin, Zitrusölen, Opoponax oder auch Styrax – Duftstoffe, die für viele Duftklassiker essentiell sind. Die Verbotsliste der IFRA ist lang und beschränkt die Konzentrationshöhe der eingesetzten Duftaromen. Von der Gesamtkomposition darf dann also nur noch ein gewisser Prozentsatz (weit unter 1 Prozent, teils sogar nur 0.01 Prozent, egal ob Extrakte oder Destillate) des Duftstoffes eingesetzt werden. Die Folgen sind für die gesamte Kosmetikindustrie dramatisch.

Aber was ist die IFRA eigentlich?

Die International Fragrance Association wurde 1973 gegründet und ist in Genf registriert. Der Hauptsitz ist in Brüssel. Die IFRA deklariert und veröffentlicht Standards für den sicheren Umgang mit Duftstoffen, die auf Ergebnissen der Sicherheitsbewertungen der Expertengruppe RIFM (The Research Institute for Fragrance Materials) beruhen. Die Standards sind verbindlich für die IFRA-Mitgliedschaft, die die wichtigsten Länder und Regionen der Welt umfasst. Achtzig bis neunzig Prozent der weltweiten Düfte werden von IFRA-Mitgliedern hergestellt bzw. geliefert.

Doch was bedeutet solch ein Verbot eigentlich für uns Verbraucher, für die Parfümeure und die Parfümerien?

Die Welt der hochwertigen Parfüms wird kleiner und die der kreativen Parfümeure wahrscheinlich auch. Wo bisher natürliche Substanzen eingesetzt wurden, um einen ganz speziellen Duftcharakter zu schaffen, müssen nun synthetische oder andere Duftstoffe eingesetzt werden. Diese sind aber wiederum nicht völlig unbedenklich und so bleibt die Frage nach dem wirklichen Hintergrund dieses Verbotes. Zumal man kritische Duftstoffe durchaus deklarieren, sprich kennzeichnen kann. Somit haben Allergiker die Sicherheit, solch ein Produkt nicht kaufen zu müssen und der Rest der Menschheit nach wie vor die Wahl, mit welchen Duftstoffen er sich parfümieren möchte. Eine noch einfachere Lösung wäre ein Hinweis auf dem Produkt, dass es nicht auf die Haut gesprüht werden darf.

Nicht auszudenken ist die Tragweite dieses Verbots für die Parfümerien. In den letzten Jahren haben immer mehr Nischenmarken den Parfümeriemarkt erobert, die mit natürlichen Ingredienzien wunderbare Parfüms erschaffen haben. Würden all diese Düfte neu formuliert werden, würde ihr typischer Duftcharakter verloren gehen. Und so manch eine Parfümerie hat sich in den letzten Jahren vermehrt auf hochwertige Nischenparfüms und Duftklassiker spezialisiert. Ein Verbot bzw. eine Reformulierung dieser Düfte dürfte diese Parfümerien in echte Schwierigkeiten bringen! Aber nicht nur die Parfümerien, denn alle auf dem Markt befindlichen Kosmetika und Parfüms mit den entsprechenden Duftstoffen dürfen ab 1. Januar 2010 nicht mehr verkauft werden. Eine Kostenlawine für die Hersteller, die sicherlich die Verbraucher in Form von Preiserhöhungen tragen werden.

Die Vorstellung, dass nun bald viele der großen klassischen Düfte ihren einzigartigen Charakter verlieren werden ist grausam. Sogar Parfümklassiker wie Chanel No. 5, Mitsouko, Shalimar oder Joy werden davon nicht ausgeschlossen sein. Doch Parfüms sind teils hohe Kunst und jede Komposition ein kleines Meisterwerk. Doch wo geht die Reise eigentlich hin? Wird es irgendwann so weit gehen, dass kleinste Hinweise auf allergische Reaktionen natürliche Duftstoffe oder Inhaltsstoffe komplett aus der Kosmetik verbannen? Für die Naturkosmetik oder für die Aromatherapie wäre das eine Herausforderung.

Verbraucherschutz ist gut und auch nötig. Doch hier geht der Verbraucherschutz zu weit, denn wir als Verbraucher werden zu unmündigen Konsumenten gemacht. Jeder sollte nach wie vor entscheiden können, welchen Duft er tragen möchte und ob er natürliche Duftstoffe an seine Haut lässt. Ein groß angelegtes Verbot von natürlichen Duftstoffen nimmt uns nicht nur unsere Lieblingsdüfte, sondern macht das bisherige Parfümuniversum zu einem kleinen Dorf.

Deshalb unterstützt der Beautyspion eine Online-Petition, damit diese Neuregelung im Sinne aller Verbraucher überarbeitet wird. Eine Hoffnung bleibt, wenn sich Verbraucher und die großen Parfümhäuser  massiv gegen die Verbotsliste wehren. Wenn auch Sie gegen die Reformulierung von Parfums sind, tragen Sie sich bitte in diese Petition ein!

Gegen die Reformulation von Parfums

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Kommentare

  1. Alexis meint:

    Schaut mal hier:

    http://www.parfumo.de/petition/

    Unterschreiben und verbreiten erwünscht! :)

  2. Reden wir hier immer noch über Parfüms? Ein Suchtmittel? Dann soll es vielleicht auch soweit kommen, dass Parfümträger/innen in extra Räume gesperrt werden oder wie Raucher ihr kleines Kämmerlein bekommen, in denen sie vor sich hinduften können? Oder dass wir einfach so viele Allergene wie möglich aus unserer Umwelt ausschließen, indem wir alles zubetonieren? Unsachlich? Stimmt, aber ich finde militante Stellungnahmen ebenso unsachlich.

    Ein gesundes Maß wäre für alle angebracht. Ich kann nachvollziehen, dass es für Duftallergiker schwierig ist, sich in einer Umwelt zu bewegen, die immer stärker beduftet wird. Potentielle – und nachgewiesene – Allergieauslöser müssen nicht unbedingt in Parfüms enthalten sein, aber wer legt die fest und wo ist die Grenze? Natürliche und synthetische Duftstoffe enthalten Allergene, wie sehen dann die Parfüms der Zukunft aus? Wäre man konsequent, müsste man alle potentiellen Allergieauslöser ausschließen. Geht das? Ich glaube nicht.

    Für mich ist das Thema Parfüms aber das kleinere, denn wenn ich an die Beduftungen in Supermärkten etc. nachdenke, finde ich das schon wesentlich problematischer. Diese Düfte sind so subtil, dass man sie nicht wirklich wahrnimmt. Und was uns von diesen Duftstoffen so erwartet, wissen wir heute noch gar nicht.

  3. STOP den Düften, es gibt viele Umweltkranke die kaum noch Leben können, sie bekommen Atemnot, Krämpfe, Schwindel, Schmerzen , Ausnahmezustände. Sie können nicht mehr am Leben teilnehmen überall werden sie beduftet und krank gemacht. Düfte stinken , der Geruchssinn der Menschen wird benebelt , dass sie nichts mehr riechen können und überall ihr Suchtmittel brauchen und nicht nur sich schädigen sondern ihre ganze Umwelt krank machen.

  4. Es ist wunderschön zu lesen, wie kindlich hier an das Thema schädlicher Duftstoffe herangegangen wird. So liest man in der “Petition gegen Reformulation” (sic) folgenden Kompromissvorschlag, der, wenn man einmal länger als eine Minute über das Thema nachdenkt, nur noch mit viel gutem Willen als “gut gemeint” zu bezeichnen ist:

    “Um allergische Reaktionen bei Betroffenen zu vermeiden, können alternativ die Inhaltstoffe auf Verpackung oder Flakon aufgeführt werden.”

    Richtig – in öffentlichen Verkehrsmitteln, auf öffentlichen Plätzen und in Gebäuden, während der Arbeitszeiten in Büros etc. kommen Dritte schließlich niemals in Kontakt mit allergenen Duftstoffen. Die flüchtige Natur von Duftstoffen erlaubt nun einmal leider keine willentliche Kontrolle bezüglich der Exposition.

    Weiter liest man dort:

    “Nur weil manche bestimmte Substanzen oder Nahrungsmittel nicht vertragen, müssen ja nicht alle darauf verzichten.”

    Ich bediene mich an dieser Stelle einmal bewusst einer Hyperbel indem ich sage: Nur, weil täglich ca. 200.000km² Regenwald gerodet werden, muss ich doch nicht auf meine Edelholzmöbel verzichten.

    “Es ist eine Frechheit, daß der Einzelne entmündigt wird. Wenn ich weiß, daß ich auf Parfum oder einen einzelnen Inhaltsstoff allergisch bin, dann benutzt ich das nicht – fertig!”

    Wunderbar naiv und einseitig gedacht. Hier zeigt sich, wie sehr man _wirklich_ versucht hat, sich in Betroffene hinein zu versetzen. Wie oben bereits erläutert, besteht bei der Aufnahme allergener Duftstoffe eben keine Möglichkeit einer Kontrolle durch den Betroffenen selbst.

    “Das ist ja so, als ob die ganze Welt keine Nuss-Schokolade mehr essen darf, weil ein paar Leute eine Nußallergie haben.”

    An dieser Stelle würde ich gerne angestrengt und tadelnd stöhnen. Nein, so ist es überhaupt nicht, denn weder besteht bei Nahrungsmittelallergien derartige Unklarheit, wie dies in der Kosmetikindustrie derzeit noch der Fall ist, noch schadet der Konsum von Nussschokolade Dritten.

    “Schlimm genug, dass Raucher diskriminiert werden, jetzt sind noch Parfümliebhaber dran.”

    Richtig, in einer Argumentation sollte man zum Ende hin möglichst polemisch werden und einfach ein paar populäre Allgemeinplätze anführen – das macht eine solche Forderung deutlich glaubwürdiger.

    “Noch mehr Blödsinn von den Grüner-Tisch-Strategen aus Brüssel und ihren Lobby-Einpfeiffern!”

    Noch mehr Petitionen von plappernden Papageien!

    Auf die weiteren Stilblüten der Petition (Besonders schön: Vergleich mit Endes “Momo”, Kausalzusammenhang Konsumentenmacht und Arbeitslosigkeit etc.), die nebenbei einen recht amüsanten Einblick in Umfang und Art der Geisteswelt des Verfassers geben, muss ich hier gar nicht eingehen.

    Ich würde aber jeden bitten, einmal eine halbe Stunde zur Zwiesprache mit sich selbst zu nutzen und in stiller Kontemplation herauszufinden, ob man diesen Schund wirklich unterschreiben möchte. Ich würde mich schämen, einen solchen Text mit meinem Namen zu versehen.

    Ich bin übrigens nicht persönlich betroffen.

    P.S.: Die von der IFRA angestrebte Regelung beschäftigt sich übrigens auch mit Duftstoffen, die in einer Vielzahl von Spielzeug zu finden sind. Vor einigen Dekaden waren es duftende Zauberponys, heute sind es Emily Erdbeer, “Mein erstes Schminkset” und ein Haufen verwandter Produkte. Ob Kinderspielzeug tatsächlich duften muss, darüber kann man eigentlich nicht streiten, wo doch eine erhöhte Exposition im Kindesalter vermehrt zu Allergien führt (von oraler Aufnahme durch im Speichel lösliche Stoffe ganz zu schweigen) – habe ich Langeweile, stelle ich mir einfach vor, wie viele der Unterzeichner der Petition Elternteile von Kindern sind, welche später genau vor diesen Problem stehen. Oh, the irony.

    P.P.S.: Ja, das was Volkmar sagt, das macht Sinn. Wenn man jedoch eine Organisation dahingehend kritisiert, dass sie nicht objektiv urteile, weil sie “den kleinen Herstellern” entgegen wirken wolle, dann ist es für die eigene Glaubwürdigkeit natürlich nur “gesund”, wenn man einer der Betroffenen ist, welche “Düfte, Duftobjekte, Geräte [...] zur Raumduftgestaltung” vertreibt…

  5. Andreea meint:

    @Volkmar: DAS macht Sinn! Dann ist es klar was dahinter steht, ich hatte so etwas vermutet.
    Ich war mir nicht sicher ob die Aktion gegen die Reformulierung sinnvoll ist, aber jetzt denke ich das durchaus. Danke für die info!

  6. Die IFRA ist weder eine staatliche Organisation, noch ist sie eine “Gesundheitspolizei”. Die IFRA ist der internationale Verband der Parfüm- und Duftstoffindustrie und wird dementsprechend auch von ihr bezahlt. Die IFRA ist das Sprachrohr der ganz großen Parfüm-Multis. Alle Regeln und “Gesetze”, die die IFRA verkündet, stammen also von der Parfümindustrie selbst. Wenn die IFRA also bestimmte Duftstoffe “verbieten” will, ist das nichts weiter als ein Marketing-Bluff.

    Es geht letztlich einzig und allein darum, den kleinen Herstellern auf dem Markt (die nicht in der IFRA organisiert sind) und den echten Naturkosmetikherstellern das Leben so schwer wie möglich zu machen. Es geht darum, den Verbandsmitgliedern die Marktanteile zu sichern.

    Wenn also Chanel No. 5 nicht mehr so duftet wie ehemals, ist das eine reine Marketingentscheidung. Wahrscheinlich will die Firma einfach nur Geld sparen und den Profit erhöhen.

    Dufte Grüße,

    V. Heitmann

    http://www.duftleben.de

  7. Andreea meint:

    Ich frage mich ob es nicht eher den Zwecken der großen Parfümindustrie dient, statt den Verbrauchern, dass nur noch Labordüfte genutzt werden können. Damit wird die Konkurrenz, die sich auf klein aber fein spezialisiert hat, einfach plattgemacht.

    Ich frage mich auch ob das nicht ein Hype ist, damit alle losrennen und auf Vorrat ihren Duft kaufen. So etwas können die vielleicht doch nicht durchsetzen?!

    Ich werde es jedenfalls sicherheitshalber tun und ein zwei Sachen noch vorher besorgen, da gehe ich doch auf Nummer sicher, weil ich die Düfte toll finde wie sie jetzt sind.

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